Internationale Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg - Zentrum für die kulturelle, soziale und politische Jugendbildung in Schleswig-Holstein

  • Politische Bildung

Gastredner Prof. Dr. Hansjörg Geiger erzählt aus dem Nähkästchen

Wege in die Wiedervereinigung: Der Umgang mit den Stasi-Akten

Am 30. Juni organisierten der Verein Gegen Vergessen - Für Demokratie, der Landesbeauftragte für politische Bildung SH und der Scheersberg im Kieler Plenarsaal des Landeshauses die Veranstaltung "Wege in die Wiedervereinigung: Der Umgang mit den Stasi-Akten".

Günter Neugebauer von Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. eröffnete die Veranstaltung. Der 1993 gegründete Verein macht es sich zur Aufgabe, geschichtliche Themen gegenwartsrelevant für Jung und Alt aufzubereiten. Schwerpunkte sind der Nationalsozialismus, die DDR,  politischer Extremismus und Demokratieförderung.

Auch MdL und Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Landtages Bernd Heinemann richtete ein paar Grußworte an die Gäste und verdeutlichte seine Berührungspunkte mit dem DDR-Unrechtsstaat und die Bedeutsamkeit für die gesamte deutsche Gesellschaft, dieses Kapitel aufzuarbeiten.


Für den Bereich der Aufarbeitung war Gastredner Prof. Dr. Hansjörg Geiger geladen. Geiger hatte 1990 als Direktor mit Joachim Gauck die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR aufgebaut und war damals mit der Sicherstellung, Systematisierung und Überprüfung von über 200 Kilometern Stasi-Akten betraut. Anekdoten aus seiner Amtszeit begeisterten das interessierte Publikum. Nicht ohne Grund verwies Geiger noch einmal auf die enormen Anstrengungen der DDR-Bürgerrechtsbewegung, die eine Rettung der Stasi-Akten vor dem Feuer und Reißwolf erst möglich machte und so Struktur und Taten des Regimes für die Untersuchungsbehörde detailliert sichtbar machten.

Auch der Gegenwartsbezug wurde auf Nachfrage Karsten Biermanns (Direktor des Scheersbergs) deutlich: Was können wir aus der Geschichte der Stasi in Bezug auf heutige Geheimdienste lernen?

Geiger (1995 selbst Präsident des Verfassungsschutzes und 1996-1998 Präsident des Bundesnachrichtendienstes) antwortete erfreut, da er seit geraumer Zeit Verfechter einer Kontrollinstanz der Geheimdienste sei. Lösung wäre zum Beispiel ein vom Parlament installierter und doch unabhängiger Beauftragter für Geheimdienste, der mit mehr Kontrollbefugnissen ausgestattet sei als das parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) derzeit.

Der spannende Vortrag wurde begleitet von der Plakatausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur "Der Weg zur Deutschen Einheit", die bis zum 07. Juli noch im Landeshaus zu besichtigen ist.

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